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Die Corona-Helfer mit den Warnwesten

In Uetendorf im Kanton Bern leistet eine kleine Truppe an Freiwilligen ausserordentliche Arbeit: Im Umkreis von 10 Kilometern helfen sie Risikogruppen über die Runden. Vom Einkaufen über Lieferdienste bis hin zum Krankentransport – bei der Corona-Gruppe Uetendorf laufen die Fäden zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

· Hilf-jetzt

«Einsatzzentrale, hallo», sagt Maik Mathys, wenn man auf seiner Handynummer anruft. Der 52-jährige Uetendorfer aus dem Kanton Bern ist voll im Bereitschaftsmodus. Soeben hat er für das örtliche Altersheim einen Sammeleinkauf mit anderen Helfern erledigt, so wie jeden Mittwoch: 18 Einkäufe auf einen Schlag. «Wir sind zwar keine riesige Hilfsgruppe, aber wir sind sehr effizient», sagt Mathys und lacht.

Mathys war einer der ersten, der auf hilf-jetzt.ch eine Hilfsgruppe eintrug: Die «Corona-Gruppe Uetendorf hilft». 90 Freiwillige haben sich darin über Facebook vernetzt. Nie hätte er gedacht, dass die Ausmasse so gross würden: Von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr abends steht er im Einsatz, sieben Tage die Woche.

Hilfe leisten er und sein Team nicht nur in Uetendorf, einer Gemeinde mit 6000 Einwohnern. Sondern im Umkreis von zehn Kilometern, in Orten wie Steffisburg, Wattenwil, Heimberg, ja bis nach Thun fahre man. 200 Einsätze haben er und sein Team in knapp zwei Wochen geleistet. Sogar eigene Warnwesten mit Logo tragen sie, wenn sie in die örtliche Migros oder den Coop grosse Einkäufe erledigen. «Damit die Leute nicht denken, wir hamstern.»

Am Anfang war er alleine, ohne Konzept, nur mit dem Willen, sich solidarisch zu zeigen. Der Projektleiter einer Innenausbau-Firma ist derzeit bei von der Arbeit freigestellt, um sich ganz um seine Mitmenschen kümmern zu können. Einst war er beim Katastrophenkorps, schon immer sei er ein sozial eingestellter Mensch.

Um an die Hilfesuchenden zu kommen, liess Mathys 5000 Info-Flyer in der Druckerei eines Freundes drucken. Kostenlos. Diese warf er in die Briefkästen in der Umgebung. Sobald sich Helfende und Hilfesuchende melden, erfasst er die Adressen in der Software Codito, auf die er dank hilf-jetzt.ch gestossen ist. «Ich schaue darauf, dass die Helfenden nicht zu weit fahren müssen, sondern möglichst in der Nähe jemanden unterstützen können», sagt er. Helfer werden wenn möglich fix jemandem zugeteilt. Den Zahlungsverkehr wickeln sie über Gutscheinkarten ab, damit sie nichts vorschiessen müssen. «Das ist die optimale Lösung.»

Die Corona-Gruppe kauft nicht nur für ältere Menschen ein, sie organisiert auch Kranken- oder Medikamententransporte, bietet psychologische Betreuung an und versorgt jene, die keinen Computer haben mit Informationen über Corona. Kinder hüten, Botengänge, Kochen, Lieferdienste für Essen, all das würde man auch übernehmen. Sowohl mit dem Gewerbe als auch mit der Gemeinde – deren Präsident ist SVP-Präsident Albert Rösti – sei man im engen Austausch.

Die Dankbarkeit in der Bevölkerung sei immens, sagt Mathys. Auch wenn manche noch Schwierigkeiten hätten, Hilfe anzunehmen. «Vielen ist der Ernst der Lage noch immer nicht bewusst.» Mathys erfüllt die Hilfsarbeit mit einer grossen Genugtuung. «Die Wertschätzung finde ich phänomenal». Schon jetzt macht er sich Gedanken, wie der unglaubliche Zusammenhalt in der Gemeinde auch in Zukunft erhalten werden könne. Die Vertrauensbasis werde nicht einfach verschwinden, das müsse man nutzen. Für Mathys ist eines jetzt schon klar: «Ich will alle Helfer in den Arm nehmen, sobald man das wieder darf.»

Text: Adrian Meyer

Gemeinsam gegen Corona! Auf der Freiwilligen-Plattform www.hilf-jetzt.ch sind in den vergangenen Wochen mehr als 900 Nachbarschaftshilfe-Gruppen entstanden, die rasch und unbürokratisch Unterstützung im Alltag leisten.

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