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«Schwyz hilft»: Kein Lari-Fari

Sechs Frauen leiten im Kanton Schwyz die Nachbarschaftshilfe «Schwyz hilft». In wenigen Tagen entwickelte sich aus einer spontanen Idee zu einer professionell geführten Hilfsaktion.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

· Hilf-jetzt

Das Helfersyndrom, sagt Simone Mayer, habe sie schon von Berufs wegen. Die 35-jährige Schwyzerin ist Pflegefachfrau in der Kinderpsychiatrie in Männedorf. Soeben hat sie acht Tage durchgearbeitet, nun hat sie sieben Tage frei. Und damit endlich wieder Zeit für das, was sie neben ihrem Beruf seit zwei Wochen täglich auf Trab hält: die Nachbarschaftshilfegruppe «Gärn gscheh – Kanton Schwyz hilft».

Als sie gesehen hatte, wie das Virus um die Welt ging, wie immer mehr Staaten den Lockdown beschlossen, da ahnte sie schon: Wie können die älteren Menschen oder Risikopatienten jetzt noch einkaufen, wer geht mit ihrem Hund spazieren? Jetzt müsse man doch etwas machen. Sie sprach mit einer Freundin in Bolivien, die ihr von der dortigen Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen erzählte. «Ich fand das so grossartig, das braucht es auch bei uns» sagt sie.

Spontan gründete sie eine Facebook-Gruppe, mitten in der Nacht am Freitag dem 13. März. Bereits am nächsten Tag waren 60 Menschen Mitglied, ohne dass sie dafür geworben hatte. Nach vier Tagen waren es bereits 1000, aktuell sind es knapp 2000 Mitglieder. «Ich dachte, oh Gott was mache ich jetzt?» Sie wusste, alleine schafft sie das nicht. Und: «Ich brauchte ein Konzept».

Mit Führungserfahrung in die Hilfeleistung

Mayer ist Offizierin der Schweizer Armee, viereinhalb Jahre lang war sie Berufsoffizierin. Sie wusste, für eine solche Aktion braucht es klare Strukturen, Planungen und Aufgaben. «Ich wollte keine Larifari-Hilfegruppe.» Auf ihren Aufruf zur Unterstützung meldeten sich zwei Kolleginnen und drei Frauen, die sie vorher nicht kannte. «Schon nach einem Tag hatten wir ein Konzept, einen Flyer gestaltet – und gleich den ersten Hilferuf». Eine Familie mit zwei kranken Kindern fragte, ob man für sie einkaufen gehen könnte.

Es konnte losgehen.

Innerhalb von wenigen Tagen brachte Mayer eine professionell geführte Hilfsaktion auf die Beine. Freiwillige verteilten den «Schwyz hilft»-Flyer im ganzen Kanton. «Wir wurden sofort mit Anfragen überrannt», sagt Mayer. Darauf installierte sie eine Hotline, auf die Hilfesuchende anrufen können und gestaltete eine Homepage.

«Unsere Klienten», nennt sie die Menschen, die sich an sie wenden. Jedes Hilfegesuch wird von Mayers Team erst geprüft und anschliessend mit Helfenden gematcht. «Auftrag übernommen», steht dann jeweils in der Facebook-Gruppe. Die persönliche Daten der Helfenden, Hilfesuchenden sowie der jeweilige Auftrag werden in einem Formular eingetragen. «So wissen wir immer, wer wo, wann, bei wem Hilfe leistet», sagt Mayer.

Geschichten, die nahe gehen

Sie habe nun sogar eine Mediensprecherin, sagt Mayer. Und klingt dabei selber überrascht von dem, was in so kurzer Zeit möglich wurde. Fast 200 Hilfeleistungen hat «Schwyz hilft» bisher vermittelt. «Für einen kleinen Kanton wie Schwyz ist das viel», sagt sie. Fünf Gemeinden sind bereits offizieller Partner von «Schwyz hilft», ebenso Pro Senectute und die Seelsorge. Auch mit der Patientenberatung im Spital Lachen sei man im engen Austausch. «Leider sehen einige wenige Gemeinden uns als Konkurrenz, das finde ich sehr schade», sagt Mayer. Dabei würden sie die Gemeinden gerne dabei unterstützen, eine eigene Hilfsgruppe zu gründen,

Gewisse Geschichten gehen Simone Mayer dabei nahe. «Ein Grosi rief an und sagte, sie habe seit drei Tagen kaum was gegessen, nur noch ein wenig Reis habe sie», sagt sie. Andere haben Angst, aus dem Haus zu gehen, hätten sich eingeschlossen. Hier zu helfen, sei ein schönes Gefühl. Die Corona-Krise gehe an niemandem spurlos vorbei, alle sprechen derzeit die selbe Sprache. «Die Resonanz auf unsere Aktion zeigt mir, dass wir noch zusammenhalten können», sagt sie. «Jung und alt kommen zusammen und tun was Gutes. Das haben wir nicht verlernt.»

Text: Adrian Meyer

Gemeinsam gegen Corona! Auf der Freiwilligen-Plattform www.hilf-jetzt.ch sind in den vergangenen Wochen mehr als 900 Nachbarschaftshilfe-Gruppen entstanden, die rasch und unbürokratisch Unterstützung im Alltag leisten.

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